Bildkommentar

Bildfund: Kommentar: Sportliche Strumpfhosen soll kaufen, wer sich mit dem Modell identifiziert. Wie es auch heute noch die Art der Werbung ist, werden nur die erstrebenswertesten Attribute gezeigt, so dass die Suggestion lautet: Wer das Beworbene kauft, wird wie das Modell – attraktiv, sportlich, gebildet. Das Signum der Bildung ist das Buch, das der Herr liest, ein Band aus der »edition suhrkamp«. In der Zeit, aus der das Bild stammt, erkannte man Bildung bereits am Umschlag, denn es sahen nicht alle Bücher, wie heute, gleich aus.

Das McDonald's des Geistes

Seit dem Launch der deutsprachigen Huffington Post gibt es im Internet zahlreiche Wortmeldungen zur Zukunft des Journalismus und seiner Qualität. Seiten wie die Huffington Post und BuzzFeed stehen für die Krtiker für den Verfall der guten Standards, eine “Entakademisierung des Journalismus” und eine McDonaldisierung des Geistes, bzw. “das Fast Food in der Informationswelt, die klebrigen Süßigkeiten”. Das digitale Europa kommentiert dies Diskussionen dahingehend, dass es darin ein Beispiel einer größeren Entwicklung sieht: Die Maßstäbe, die wir fraglos an Erzeugnisse des Geistes stellen, werden im Internet täglich enttäuscht.

Das digitale Europa

Die »Digitalisierung«, sagt man, ändert alles mögliche: das Pressewesen, die Freundschaften, unsere Orientierung im Raum, die Art, wie wir lernen, wie wir Musik hören, arbeiten, kommunizieren, die Ansprüche an demokratische Partizipation, unseren Zugang zu Wissen und überhaupt zu Informationen – unüberschaubar vieles, was die Welt früher gekennzeichnet hat, unterliegt heute so tiefgreifenden Veränderungen, dass der französische Philosoph Michel Serres sagt, es handele sich um »einen der tiefsten historischen Brüche seit dem Neolithikum«.

Faszinosum Gunter Dueck

Von Gunter Dueck geht ganz offenbar eine Faszination aus. Dueck schreibt Bücher, twittert, dokumentiert Vorträge auf YouTube, und er wird eingeladen, wenn es um neue Medien und die digitale Zukunft geht. Noch bis vor kurzem war er nur Insidern bekannt, doch seit seinem vielbeachteten Vortrag auf der re:publika 2011 steigt seine Popularität stetig. Nun gibt es sogar einen Podcast, in dem man Dueck Fragen über Gott und die Welt stellen kann, Titel: „Die Welt fragt, Gunter Dueck antwortet“ – soeben ist schon die vierte Folge erschienen.

Gedanken

Dass jemand etwas denkt, ist zunächst nur natürlich. Aber ist das interessant für andere – genauer: prinzipiell interessant für alle anderen? Nur dann ist es ja sinnvoll, solche Gedanken auch mitzuteilen. Die Geisteswissenschaften leben von der Auffassung, dass es prinzipiell interessant sein muss, was Geisteswissenschaftler zu etwas bestimmten denken. Die Transformation, die man hier sehen kann, betrifft nicht nur die Digitalisierung, aber auch, nämlich den Aspekt der Publikationsinklusivität. Aber auch Dinge wie gestiegene Freizeit und dergleichen.

Michael Mierschs Topik der Gegenwart

Außer dass es nicht als gedrucktes Buch erschienen ist, sondern ausschließlich als e-Book, gibt es auf den ersten Blick wenig Bezüge zwischen dem Kritisierten und dem Kritisierenden. Das kritisierende Organ ist das digitale Europa, die Webpage des 21. Jahrhunderts, die sich dem Übergang in unsere neue, digitale Gegenwart verschrieben hat. Kritisiert wird heute ein 2012 erschienenes e-Book mit dem Titel Die Hippies haben gewonnen von Michael Miersch. Thema des Buchs ist »der deutsche Werte-Konsens«, also der Zeitgeist, das, was ohne weiteres Hinterfragen und ohne dass jemand es überhaupt explizit behauptet hätte, allgemein als Wahrheit gilt: Atomkraft ist schlecht, alles, auf dem »Bio« steht, ist gut, Krieg ist grundsätzlich abzulehnen und der Technik ist nicht zu trauen.

Ruhm/Kunstwerk

Die Semantik des Werks, und damit verbunden: des Klassischen und des Ruhms seines Schöpfers ändert sich. Große Kunstwerke sind unsterblich, eine App wird aber nicht gleichermaßen zeitlos sein können. Das Prinzip von Update passt gerade nicht zur alten Topik.

Teil und Ganzes

Eine Kategorie, die die Lektüre und das Reden über Texte jahrtausendelang geprägt hat, könnte im digitalen Zeitalter ihre Brauchbarkeit verlieren: Teil und Ganzes. Eine Variante davon ist etwa die Unterscheidung von Inhalt und Kontext. Zu beobachten ist, dass die »Inhalte« in unterschiedlichen Kontexten genutzt werden (mobile Apps, Websites, Ad-Blocker, Instapaper).

Zeitindex

Vieles von dem, was man heute rezipiert, hat gar keinen Zeitindex mehr. Im Fernsehen und im Radio war das, was man sah und hörte, immer jetzt. Wenn also jemand sagt: “heute ist das und das so und so”, war klar, was “heute” heißt, weil die Sendung zu einem eindeutigem Zeitpunkt lief. Daher war es auch überhaupt nicht notwendig, diesen Zeitpunkt explizit zu markieren – die Ausnahme waren Wiederholungen, die mit Einblendungen markiert wurden.

»artist«

Seit einigen Jahren, wahrscheinlich seit der Radikalisierung der Urheberrechtsdebatte, taucht eine semantische Form regelmäßig auf, die zu den Kernbeständen der alteuropäischen Tradition gehört: der “artist”. Zur Tradition kann man sehr viel sagen, muss es aber vielleicht nicht. Zentral für die Tradition seit der Aufklärung – und hier entfaltet die Künstlersemantik ihre mächtige Wirkung – sind wohl zwei Aspekte, die beide aus der semantischen Festlegung abgeleitet sind, der Künstler sei notwendig ein “Genie”, also eine menschliche Instanz der göttlichen Schöpfungsmacht.