Gedanken

Dass jemand etwas denkt, ist zunächst nur natürlich. Aber ist das interessant für andere – genauer: prinzipiell interessant für alle anderen? Nur dann ist es ja sinnvoll, solche Gedanken auch mitzuteilen. Die Geisteswissenschaften leben von der Auffassung, dass es prinzipiell interessant sein muss, was Geisteswissenschaftler zu etwas bestimmten denken.

Die Transformation, die man hier sehen kann, betrifft nicht nur die Digitalisierung, aber auch, nämlich den Aspekt der Publikationsinklusivität. Aber auch Dinge wie gestiegene Freizeit und dergleichen. Die Hypothese wäre jedenfalls, dass, wer früher nachdenken und publizieren konnte, schon allein wegen dieses Umstandes wahrscheinlich jemand war, dessen Gedanken auch für andere notwendig interessant waren. Dieser Interessantheitsvorbehalt strahlte auf schöngeistige Gedanken, so dass geisteswissenschaftliche und philosophische Überlegungen die Aura des Wichtigen abgekamen. Dazu gehört etwa auch der Topos, dass es keine Zeitverschwendung ist, ein schöngeistiges Buch oder einen Essay zu lesen oder die Lebensdaten bestimmter Dichter zu lernen.